Lausitzer Politiker aller Parteien fordern von Schweden Verzicht auf neue Kohletagebaue Drucken E-Mail
Montag, den 27. Oktober 2014 um 00:00 Uhr

In einem gemeinsamen Brief bestärken Lausitzer Kommunalpolitiker aller Parteien die schwedische Regierung in ihrem Vorhaben, den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung voranzutreiben und die Umsiedlung weiterer Dörfer durch den Staatskonzern Vattenfall abzuwenden.Der Brief wurde auch unterzeichnet von Stephan Hilsberg, ehemaliger Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Mitbegründer der sozialdemokratischen Partei in Ostdeutschland. Neben der Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung der 20.000 Einwohner zählenden Stadt Guben, Kerstin Nedoma (LINKE) und ihrem Amtskollegen aus der Gemeinde Schenkendöbern, Bernd Howorek (CDU) sprechen sich die Bürgermeister von Wiesengrund, Nebelschütz und Panschwitz-Kuckau sowie zahlreiche Ortsvorsteher der Region für ein planvolles Ende der Braunkohleverstromung aus.

„Wir sind der Meinung, dass Vattenfall die Region Lausitz nicht verlassen darf, sondern seine Unternehmensziele, nämlich den Übergang zu umweltfreundlicher und nachhaltiger Energieversorgung mit erneuerbaren Energien, auch aktiv in Deutschland umsetzen sollte.“ heißt es in dem Schreiben, das heute an den schwedischen Ministerpräsident Stefan Lövfen übermittelt wurde.

Doch nach den bereits genehmigten Tagebauen müsse Schluss sein und Vattenfall auf weitere Abbaugebiete wie Welzow-Süd II, Nochten II und Jänschwalde-Nord und die Umsiedlung weiterer Dörfer verzichten.
„Die notwendigen Umbauprozesse können und müssen sozial abgefedert werden. Das ist leistbar, wenn Vattenfall aktiv daran mitwirkt!“ fordern die Lausitzer Politiker von der schwedischen Regierung.

Den Brief des brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke nach Schweden kommentiert das Mitglied des Brandenburgischen Braunkohlenausschusses René Schuster mit den Worten: „Auch in der Lausitz nimmt die Kritik am Braunkohlenabbau immer weiter zu. Herr Woidke sollte nicht versuchen, die schwedische Politik darüber zu täuschen, sondern gemeinsam mit Schweden einen Fahrplan zum schrittweisen Ausstieg vereinbaren.“

In der Stadt Guben und der Gemeinde Schenkendöbern haben sich die Parlamente über alle Parteien hinweg einstimmig gegen den drohenden Tagebau Jänschwalde-Nord gewandt. Gegen den Tagebau Welzow-Süd, Teilfeld II gingen aufgrund der bundesweiten Bedeutung für den Klimaschutz 120.000 Einwendungen im Braunkohlenplanverfahren ein, Tausende davon aus dem Lausitzer Kohlerevier. Auch das Kirchenparlament der Evangelische Kirche Berlin - Brandenburg - schlesische Oberlausitz hat sich in mehreren Synodalbeschlüssen der letzten Jahre eindeutig für den "Einstieg in den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung" positioniert. Namhafte Vertreter der sorbischen Minderheit in der Lausitz haben bereits am 2. September in einem Schreiben an die schwedische Vorgängerregierung deutlich gemacht, dass eine Mehrheit der Sorben die sorbische Kultur durch Vattenfalls Braunkohlentagebau bedroht sieht.

Der Wortlaut des Briefes mit Namen und Funktionen der Unterzeichner

 

- ENGLISH Version -

PRESS RELEASE
German Politicians from all party groups want Sweden to stop new lignite mines

Stockholm, 27.10.2014. Lusatia’s local politicians from all party groups have strengthened the Swedish government’s plans to proceed with the pull-out from electricity generation from lignite coal and to abandon the public enterprise Vattenfall’s relocation plans for further villages.

The letter has also been signed by Stephan Hilsberg, the former permanent secretary in the Federal Ministry for Transport and co-founder of the Social Democratic Party in eastern Germany. The president of the city of Guben’s local parliament (population 20,000) Kerstin Nedoma (Left Party) and her colleague from the municipality of Schenkendöbern, Bernd Howorek (Conservatives) have spoken out for a tactical end to electricity generation from lignite coal as have the mayors of Wiesengrund, Nebelschütz and Panschwitz-Kuckau and various local representative of and in the region.

A letter communicated to the Swedish Prime Minister Stefan Lövfen today reads: “Vattenfall should not leave the Lusatia region but needs to alter its company goals actively in Germany, namely the transition to environmentally friendly and sustainable energy supply from renewable energies.”

The already approved surface mines should be the last and Vattenfall needs to renounce from further mining areas such as Welzow-Süd II, Nochten II and Jänschwalde-North as well as the relocation of other villages.

Lusatia’s politicians demand of the Swedish government: “The essential transformation processes can and must be mitigated socially. This can be achieved through Vattenfall’s active involvement.”

Commenting on the Brandenburg Prime Minister Woidke’s letter to Sweden, René Schuster, member of the Brandenburg lignite planning commission (Braunkohlenausschuss) says: “Criticism of lignite coal is growing in Lusatia as well. Mr Woidke should refrain from misleading the Swedish policy makers but rather agree to a road map with Sweden leading to the exit from lignite coal.”

Across party borders, the parliaments in the city of Guben and the municipality of Schenkendöbern have turned against the looming surface mine Jänschwalde-North. 120,000 objections were submitted in the lignite coal proceedings against the surface mine Welzow-Süd subfield II due to its national relevance for climate protection, thousands of which originated in Lusatia’s coal mining district. In addition, the church parliament of protestant churches Berlin, Brandenburg and Upper Lusatia has positioned itself in multiple synodic resolutions for the “beginning of the exit from electricity generation from lignite coal”. Well-known representatives of the Sorb minority in Lusatia already voiced their concerns to the previous Swedish government on 2 September, namely that the majority of Sorbs perceive Vattenfall’s lignite coal surface mines as a threat to the Sorb culture.

The wording of this letter with the names and office held by its signatories

Übersetzung von Seema Mehta