Verlegung der Messpunkte für Eisenocker aus dem Tagebau Welzow. Lokalpolitikerin: Skandal erster Güte Drucken E-Mail
Montag, den 13. Juni 2016 um 12:08 Uhr

messstellen-4227Recherchen des rbb-Magazins Klartext zufolge hat der Bergbaukonzern Vattenfall bereits 2010 darauf hingewirkt, dass Messergebnisse zur Eisenockerbelastung rund um den Tagebau Welzow-Süd durch die Verlegung von Messstellen nicht der tatsächlichen Belastung entsprechen, sondern niedriger ausfallen. Genehmigt hat diese Praxis dem Bericht zufolge das Brandenburger Bergamt. Während die Landesregierung abwinkt und das Problem kleinredet, hat eine Vor-Ort-Besichtigung am Montag mit dem umweltpolitischen Sprecher der bündnisgrünen Landtagsfraktion Benjamin Raschke, der Vorsitzenden des Umweltausschusses in der SVV Welzow Hannelore Wodtke und dem Geschäftsführer des BUND-Brandenburgs Axel Kruschat ein anderes Bild ergeben. „Insbesondere die Fliesse im Bereich Haidemühl sind ockerbraun“, berichtet Wodtke. Noch in der letzten Woche erklärte Minister Albrecht Gerber (SPD) in seiner Antwort auf eine Anfrage im Plenum des Landtages, dass die strengen Überwachungswerte „sicher eingehalten und deutlich unterschritten“ werden.

„Für mich ist das ein Skandal erster Güte, bestätigt aber schon lange meine Vermutung, dass die Landesregierung dem Kohlekonzernen alles durchgehen lassen“, kritisiert  Wodtke.  „Es ist unverständlich, dass die Landesregierung den Wunsch nach der Verlegung der Messpunkte zustimmte, obwohl Vattenfall gegenüber dem Bergamt klar formulierte, dass so die Werte gesenkt würden“.

Auch hatte der BUND-Brandenburg durch Akteneinsicht ermittelt, dass auch nur Jahresmittelwerte herangezogen werden, bemerkt Wodtke. Die Welzower Stadtverordnete kenne das Verhalten von Behördern und Bergbaukonzernen nur zu gut. Auch bei der Belastung durch Staub und Lärm werden nur Mittelwerte genommen, so dass rein rechnerisch keine Belastungen vorhanden sein, die aber faktisch die Menschen am Tagebaurand bei speziellen Windlagen um den Schlaf bringt.

Warum Vertreter des Bergamtes und von Vattenfall trotz Einladung nicht zu dem Termin erschienen sind, sei nun auch klar: Die Verockerung ganzer Landstriche kann man einfach nicht mehr schönreden. Die Welzower Umweltpolitikerin begrüsst es daher, dass der Grünenpolitiker Raschke ankündigt, die massive Belastung durch Eisenocker im Potsdamer Landesparlament zur Sprache bringen will.

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Antwort der Landesregierung auf die mündliche Anfrage des Abgeordneten Thomas Domres: „Messung der Eisenbelastung von Spreezuflüssen“

http://www.allianz-fuer-welzow.de/images/dokumente/ka564-domres.pdf

BUND-Brandenburg: Die Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft Cottbus können und die dazugehörige Anlage zur Akteneinsicht

http://www.bund-brandenburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/verockerte-fliesse-um-den-tagebau-welzow-sued-bund-legt-beschwerde-bei-staatsanwaltschaft-ein/?tx_ttnews[backPid]=2441&cHash=cf8d5c841795b4f5c6e2612dd9b41117

rbb-Klartext: „Braune Bäche in der Lausitz - Messwerte passend gemacht?“

http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/20160601_2215/braune-baeche-in-der-lausitz-messwerte-passend-gemacht.html