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Neuer Tagebau Welzow Süd II: Kritik an „unredlicher Angstkampagne“ der Kohlebefürworter

Die Allianz für Welzow bezeichnete die Kampagne des Verein „Pro Lausitzer Braunkohle“ als „unredlich“. Die Kohlebefürworter übten „starken Druck“ auf die Menschen in der Region aus, betonte Günter Jurischka, Sprecher der Initiative „Dorf-Kohle-Umwelt“ aus Proschim.

So wurde von den Sammeltrupps der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie und Energie (IG BCE) immer wieder suggeriert, die Kritiker wollten einen sofortigen Braunkohleausstieg und von heute auf morgen alle Arbeitsplätze abschaffen, berichtet Jurischka. „Das stimmt so nicht!“

„Wir treten für einen mittelfristigen Braunkohleausstieg bis weit in die 2030er Jahr ein. Wenn tatsächlich die Braunkohle nur für das Kraftwerk Schwarze Pumpe (Spremberg) benutzt werde, müsse niemand seinen Arbeitsplatz verlieren und es bliebe genug Zeit den nötigen Strukturwandel in der Lausitz endlich anzugehen“, stellte Johannes Kapelle („Opa ohne Lobby“) aus Proschim klar. 

Einigen Menschen war auch nicht klar als sie bei Pro-Lausitz unterschrieben, dass für den Tagebau mehr als 800 Menschen umgesiedelt werden sollen und somit ein weiteres sorbisches/wendisches Dorf zerstört wird, so berichtet Kapelle über Gespräche.  Als „unfair“ bezeichnete es Kapelle, wenn Pro-Lausitz die Menschen unter Druck setzt, damit sie unterschreiben. So seien Menschen zur Unterschriften aufgerufen worden mit der Ansage, sie „müssten“ unterschreiben, berichtet Kapelle aus eigenen Erfahrungen.

Nicht nur die stark kritisierte und rechtlich fragwürdige Unterschriftensammlung des Vereins in öffentlichen Gebäuden sorgte für Unmut. So durften die Kohlebefürworter am Montag beim Fußballspiel des FC Energie Cottbus mit einer Großaktion vor dem Spiel für die weitere Braunkohle-Abbaggerung werben, indem sie singende Kinder auf das Spielfeld schickten. Nach Informationen des Nachrichtenportals „Niederlausitz aktuell“ wurde vor einiger Zeit eine Anfrage des Cottbuser Volksbegehrens „Hochschulen erhalten“ zu einer ähnlichen Aktion vom Fußball-Verein mit der Begründung abgelehnt „Man mische sich nicht in politische Debatten ein“. „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen“, kritisiert Jurischka. Der Proschimer vermutet einen Zusammenhang zwischen Sponsoring von Vattenfall: „Wes Brot ich es, des Lied ich sing“, heisst es doch im Volksmund, so Jurischka.