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Tschechischer Energiekonzern will Welzow 10 Jahre länger betreiben – Anwohner fordern Absage an neuen Tagebau

Der tschechische Energiekonzern LEAG beantragt beim Brandenburger Landesbergamt den aktiven Tagebau Welzow Süd Teilfeld I wesentlich länger zu betreiben.  Ursprünglich war der Betriebsplan bis 2023 befristet. Nun stellt LEAG den Antrag, die Kohlegrube bis in das Jahr 2033 weiter zu betreiben. Bis zum 02. Februar 2018 lagen die Planungsunterlagen im Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe aus.  LEAG begründet die Verlängerung mit "energiepolitischen  Bedingungen  in  den  späten  1990er-Jahren". Daraus ergeben sich  im  Vergleich  dazu  verringerte  Produktionszahlen.  Eine Veränderung der Kohlemenge und der bisher genehmigten Abbaugrenzen soll es jedoch nicht geben.  Ob der neue Tagebau Welzow Süd Teilfeld II immer noch kommen soll, ist weiterhin unklar. Ursprünglich sollte der Kohleabbau im neuen Tagebau im Jahr 2027 beginnen.

"Es ist unerträglich, dass die von Abbaggerung bedrohten Einwohner von Welzow und Proschim weiter über 10 Jahre auf gepackten Koffern sitzen müssen. 10 Jahre für die Anwohner länger Dreck, Staub und Lärm. So kann man mit Menschen nicht umgehen", sagt die Stadtverordnete Hannelore Wodtke (Grüne Zukunft Welzow). Auch Karin Noack (Die LINKE), dreifache Mutter aus Proschim, ist über die Ankündigung entsetzt: "Man fühlt sich wie ein Spielball des Bergbautreibenden und der Landesregierung. Stetig wird uns die Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit der Braunkohle gepredigt. Mitarbeiter wie Umsiedlungsbetroffene hängen weiterhin in der Luft. Verantwortlich wäre es, endlich Fakten für alle zu schaffen."

Mit deutlichen Worten kritisierte der Proschimer CDU-Politiker Günter Jurischka: "Die verarschen uns nach Strich und Faden. Ministerpräsident Dietmar Woidke und die LEAG-Konzernchefs werden nicht müde ihr Revierkonzept als Planungssicherheit zu verkaufen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Man nimmt uns unsere Zukunft und die Herren in Potsdam legen auch noch den roten Teppich dafür aus",

Von der Landesregierung fordert die Grüne Zukunft Welzow die Einstellung des Braunkohleplans für den neuen Tagebau Welzow Süd II. "Es scheint doch noch genug Kohle da zu sein bis weit in die 2030ziger Jahre, wie die LEAG jetzt auch bestätigt. Ein neuer Tagebau ist daher auch nicht mehr nötig", sagt Wodtke: "Bis 2033 könnte man ja noch mit der Kohle leben aber irgendwann muss doch auch mal Schluss sein mit der sogenannten Brückentechnologie"

"Während allerorten über einen Kohleausstieg geredet wird, sollen wir für das das Profitstreben von Konzernen und dem ideologisch motivierte Festhalten an der Braunkohleverstromung der Landesregierung herhalten. Das werden wir nicht sang und klanglos hinnehmen", kündigte Wodtke an.